Augusto Monterroso und die Phantasie
Dem aufmerksamen Leser dieses kleinen, aber feinen Blogs wird nicht entgangen sein, dass ich “nebenbei” auch noch studiere. Seit einer Woche läuft nun das Semester wieder und ich habe viel gelernt. Um nicht ganz den Anschluss zu verlieren und die Hälfte zu vergessen, bin ich zu dem Entschluss gekommen, auch euch einmal teilhaben zu lassen von den wertvollen Informationen, die mir in der Bildungsstätte übermittelt werden.
Heute gibt es für euch einen Ausschnitt der Vorlesung “Phantastische Literatur”, der ich heute vormittag beigewohnt habe. Thema der ersten Sitzung war eine generelle Einführung und eine grobe Definition, was Phantastische Literatur überhaupt ist. Den Anfang machte eine wirklich sehr kurze Erzählung von Augusto Monterroso, seines Zeichens guatemaltekischer Schriftsteller und Diplomat. Sie lautet wie folgt:
Als er erwachte, war der Dinosaurier immer noch da.
Stellt sich direkt die Frage: Warum sollte man diese Geschichte der phantastischen Literatur zurechnen? Weil ein Dinosaurier darin vorkommt und das ja wohl nun wirklich nur Phantasie sein kann?
Was wäre, wenn man den Satz umstellen würde?
Als er erwachte, war der Dinosaurier immer noch da, wie Fred Feuerstein berichtete.
Immer noch Phantasie? Oder doch ein ganz anderer Zusammenhang, in dem die Aussage vom Anfang Sinn ergibt?
Letztendlich jedenfalls ein grobes Fazit: Phantastische Literatur baut vor allem darauf, dass sie sich beschäftigt mit Brüchen und Unstimmigkeiten in den “rechten Dingen” (also dem, was man normal erwartet). Oder, wie es Roger Caillois noch “konkreter” beschreibt: Phantastische Literatur baut auf “Risse in der Oberfläche”. Wobei die Oberfläche das beschreibt, das man kennt. Gewohntes, Vertrautes. Und die Phantastische Literatur entsprechend den Riss hervorruft. Das Gewohnte verzerrt. Oder gar durchbricht. Man stelle sich mal vor, es würde morgens ein Dinosaurier im Schlafzimmer stehen. Wie surreal. Irgendwie.
Okay, ich gebe es zu, das wirkt jetzt mal relativ zusammenhangslos. Aber das Semester ist ja noch nicht vorbei. Und eigentlich ging es mir auch hauptsächlich mal darum, diese großartig kurze Erzählung zu präsentieren.
